Den Turbinengeräuschen lauschen

Viele Menschen, die an einem eintägigen Seminar teilnehmen oder zu mir ins Coaching kommen, berichten, dass Sie im Flugzeug Ihre Ohren quasi auf den Turbinen abgelegt haben, um auch jedes Geräusch, das von da kommt, zu erlauschen.

Und da gibt es einiges zu hören. Das Turbinengeräusches ändert sich häufig während eines Fluges und das hat verschiedene Gründe.
Beim Steigflug ist es so, dass jedes Linienflugzeug in (Treppen-)Stufen nach oben steigt. Das heißt die Turbinen sind beim Start stark zu hören, weil sie da maximalen Schub haben. Sobald die erste Stufe erreicht ist, wo das Flugzeug eine Zeitlang auf gleicher Flughöhe bleibt, werden die Turbinen etwas leiser, weil der maximale Schub dafür nicht nötig ist. Beim Aufsteigen in die nächste Stufe, werden die Turbinen wieder ihren Klang verändern, weil für das Steigen mehr Power erforderlich ist. Wenn das Flugzeug dann die Reiseflughöhe erreicht hat, werden die Turbinen wieder leiser, weil es dann völlig ausreichend ist mit weniger Schub zu fliegen und dadurch gleichzeitg weniger Kerosin verbraucht wird.

Und die nächste schöne Nachricht ist, dass ein Flugzeug mit Leichtigkeit mit einer Turbine fliegen kann und jetzt kommts: es kann sogar zu Boden segeln, wenn alle Turbinen ausfallen. Da ist Zeit, sich einen Platz zum Landen zu suchen und dann diesen anzusegeln. Das fand ich persönlich am allerüberaschendsten, als mir das ein Lufthansa-Pilot erzählt hat.

Also ist es gar nicht wichtig, die Turbinengeräusche genau zu verfolgen – sie verändern sich ohnehin immer wieder während des Fluges, weil z.B. aufgrund einer Anordnung der Fluglotsen das Flugzeug an Flughöhe gewinnt. Und selbst bei völligem Ausfall der Turbinen, kann der Pilot sich einen Landplatz suchen und diesen ansegeln. Je größer das Flugzeug ist, desto länger dauert übrigens der Gleitflug zur Erde. Obwohl das beim ersten Hören widersinnig erscheint, leuchtet es schon mehr ein, sobald man von der Ähnlichkeit einer dicken Boing mit einem Skifahrer hört. Wenn ein Skifahrer mit einem beachtlichen Gewicht einen Berg runterführt, wird er länger gleiten als ein kleiner, leichter Jockey auf Skiern. Und genauso erlebt das auch eine Jumbojet, wenn er zu Boden segelt, das dauert eine ganz schöne Weile.

Und da das Flugzeug ja eines der sichersten Verkehrsmittel ist, gleicht es wohl der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns, dass Sie mal einen Segelflug in einer Boing erleben. Aber wenn Sie unbedingt möchten, drücke ich Ihnen die Daumen dafür, dass Sie das mal erleben dürfen.

Ach, da ist noch ein Punkt mit den Turbinen – nur weil da mal ein Vogel oder auch ein paar reinfliegen, dreht sich die Turbine weiter. Die Turbinen wurden schon bei der Entwicklung im Werk mit tiefgefrorenen Vögeln gefüttert, damit sie diese immer gut verdauen können.

Somit können Sie nächstes Mal einfach schöne Musik hören, als die Tubinen zu monitoren.
Welche Musik nehmen Sie mit um diese zu Ihrem Tomatensaft hören?

Autorin: Sabine H. Engert